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Frauenverein "Bella Donna" begleitet Zeuginnen des Menschenhandels bis zum Prozess
Von ddp-Korrespondent
Jörg Schreiber
Frankfurt /Ode r. "Holt mich hier raus, ich kann nicht mehr": Das Notruftelefon des Frankfurter Frauenhilfevereins "Bella Donna" ist oft die letzte Hoffnung für Prostituierte im deutsch-polnischen Grenzraum, die keinen Ausweg mehr sehen. Rund 1300 Russinnen, Ukrainerinnen, Polinnen und Kasachinnen bedienen auf dem polnischen Straßenstrich und in Edelbordellen hauptsächlich deutsche Männer. Hinzu kommen rund
1000 Prostituierte auf deutscher Seite. Sie werden von Zuhältern ausgebeutet und von Freiern oft gezwungen, ohne Kondom ihre Gesundheit zu gefährden.
Wenn die Spannungen zu groß werden, rufen die verzweifelten Frauen die Notrufnummer, die "Bella Don -na" -Streetworkerinnen regelmäßig verteilen, sagt Vereinschefin Uta Ludwig. "Bella Donna" gewähre dann "Fluchthilfe", was vor einigen Monaten eigentlich noch strafbar gewesen sei, weil damit Ausländerinnen illegal nach Deutschland geholt wurden. Es sei ein rechtsfreier Raum gewesen, der mit Änderung des Ausländergesetzes vor zwei Jahren beseitigt wurde.
Seither erhalten die Frauen generell eine einmonatige Duldung, um zu überlegen, ob sie gegen die Menschenhändler aussagen. "Wir begleiten jährlich rund 20 Frauen, die zu uns kommen", sagt Ludwig. Nur rund zehn bis 15 Prozent würden sich gegen eine Aussage entscheiden. Die anderen würden trotz anfänglicher Angst aussagen. Bisher sei es allerdings nur zu wenigen Prozessen gekommen, 2001 habe das Landgericht Potsdam vier Täter zu hohen Haftstrafen verurteilt.
Frage der Zuständigkeit
Problematisch sei die "Mobilität" im Milieu, führt Ludwig in diesem Zusammenhang an. Oft würden die Osteuropäerinnen erst zur polnischen Grenze gebracht, müssten dann im Grenzraum einige Wochen arbeiten, ehe sie nach Westeuropa "verliehen oder verkauft" würden. Dann sei die Frage der Zuständigkeit schwierig.
Der Leitende Frankfurter Oberstaatsanwalt Carlo Weber ist zudem der Ansicht, dass manche Frau zwar aussagt, aber belastende Details verschweig t. Nach seinen Angaben entfielen von 17 Verfahren zur organisierten Kriminalität - seine Behörde ist in diesem Bereich für ganz Brandenburg zuständig - im vergangenen Jahr allein fünf auf den Menschenhandel. Genaue Zahlen zum Menschenhandel kann niemand nennen.
"Viele Prostituierte begreifen auch nicht, dass sie Opfer sind", sagt Ludwig. Die jungen Frauen erhielten rund zehn Euro am Tag - und das sei weit mehr, als sie in der Heimat je verdienen könnten. "Jede Frau muss für sich entscheiden, ob sie sich prostituieren will", sagt Christiane Markert-Wizisla vom brandenburgischen "Beirat zur Hilfe für Opfer von Menschenhandel und Gewalt in der Prostitution".
Wer Hilfe brauche, der werde unterstützt. "Bella Donna" kümmert sich um Duldung, Schutzwohnungen und - besonders wichtig - ärztliche Versorgung. "Die zu uns geflüchteten Frauen würden in der Regel zusammenbrechen, wenn der auf ihnen lastende Druck plötzlich weg ist", berichtet Ludwig. |
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