Frauen aus dem Katalog

Bericht über die gekaufte Braut
 
Wie Heiratsinstitute junge Frauen aus Thailand, Polen und anderen
Ländern nach Deutschland vermitteln - und was dann aus ihnen wird.

"Bildhübsche Thais suchen deutschen Mann", "1000 tschechische Damen wünschen liebevollen Lebenspartner" - immer mehr ausländische Frauen werden via Heiratsinstitut einsamen, liebeshungrigen deutschen Männern angeboten.

Das Geschäft mit der Partnervermittlung blüht: 1950 waren nur 3,6% der Ehen binational, heute, 2000 sind es 12.7%. Allein zwischen 1987 und 1997 verdoppelte sich die Zahl deutsch-ausländischer Eheschließungen auf über 50000 pro Jahr - rund 700000 gibt es insgesamt. Viele Partner haben sich in Deutschland kennen gelernt - im Büro, auf einer Party. Viele aber auch über eines der 100 Heiratsinstitute, die sich auf Vermittlungen ausländischer Frauen spezialisiert haben. Sie kassieren bis zu 6000 DM - meist von Männern, denen deutsche Frauen zu anspruchsvoll, zu emanzipiert sind. Und für die Frauen ist die Heirat oft der einzige Ausweg aus der Armut.

Auch das Fernsehen berichtet diese Woche über das Thema: Vor sechs Jahren flog Ludwig Harke, 40, Facharbeiter, nach Asien, um eine Frau fürs Leben zu finden. Begleitet von einem SAT.1-Team traf er auf den Philippinen heiratswillige Frauen. Kosten: 3500 DM. Nach nur zwei Treffen mit Boutique-Verkäuferin Shirly. damals 22, entschied Harke: "Die heirate ich." Jetzt besuchte das SAT. 1-Fumteam Harke wieder. Die Überraschung: Shirly und Ludwig Harke sind ein glückliches Ehepaar, haben zwei Söhne (4 und 5), leben in einer gemütlichen Mietwohnung. Sie: "Ich liebe Ludwig. Er ist immer für mich da. wenn ich ihn brauche." Er: "Ja, wir wollen zusammen alt werden."

Leider ist ihr Glück eine Seltenheit. Die meisten Frauen wollen einfach nur dem wirtschaftlichen Elend entkommen und viele Männer nutzen das schamlos aus: "Haben die Frauen den deutschen Mann erst mal geheiratet, befinden sie sich in absoluter Abhängigkeit", sagt die Münchner Rechtsanwältin Elisabeth Mach-Hour vom "Verband bi-nationaler Familien und Partnerschaften". Denn die ersten vier Jahre hängt das Bleiberecht der Frauen direkt vom Bestand der Ehe ab. Mach-Hour: "Bei Scheidung droht sofortige Abschiebung." Skrupellose Partnervermittlungen nutzen diesen Umstand sogar für Werbezwecke ("Sollte die Ehe nicht halten, ermöglicht es der Gesetzgeber. dass Sie ohne Ärger und Kosten schnell wieder ein freier Mann sind"). Aber auch die Partnersuche selbst erinnert oft an Menschenhandel. In Thailand darf z.B. der Kunde gegen 3000 DM Gebühr eine Frau eine Woche "ausprobieren". Ist er nicht zufrieden, kann er sie gegen eine andere "umtauschen". Und in Russland gleiten jedes Jahr hunderte Frauen. die nicht schnell genug einen deutschen Mann finden, in die Prostitution ab, ernähren so oft ihre ganze Familie. Frauen aus dem ehemaligen Ostblock sind bei deutschen Männern am beliebtesten. Noch in den 80er Jahren führten Frauen aus Holland, Österreich und Jugoslawien die Liste an, heute sind es Polinnen und Russinnen (ca. 15000 Ehen pro Jahr), Thailänderinnen stehen an vierter Stelle (ca. 2000 Ehen/Jahr).

Warum steigen die Zahlen? "Deutsche Frauen haben verlernt, es dem Mann schön zu machen", behauptet Partnervermittler Wolfgang Blanke, 51. "Ständig meckern sie rum. Irgendwann sagt der Mann: Jetzt hol ich mir 'ne Ausländerin." Der Berliner ist selbst mit einer Philippinin verheiratet, empfiehlt seinen Kunden vor allem Frauen aus Asien: "Sie sind fleißig, treu, anschmiegsam und sehr sparsam. Einziges Problem, so Blanke: "Leider wird es immer schwerer, anständige Frauen zu finden."

So warnt das Bundeskriminalamt zurzeit im Internet vor angeblich heiratswilligen Thailänderinnen, die per Inserat deutsche Männer suchen und sie dann um eine Geldüberweisung für Flug und Visum bitten. Das BKA: "Das Geld ist weg, die Frauen existieren meist gar nicht."

HoIger Beyer

TVneu 2/2000

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Humanistische AKTION
 
2/2000
 


 
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Aktualisiert am 10.07.02