Ist im Ausland wirklich alles schöner, besser und
lebenswerter? Die jedenfalls, die von ihren ersten
Schnuppereisen zurück- kommen, behaupten es...
gen
noch eines obendrauf: "Wow! Das ist ja wirklich alles viel toller,
als in Deutschland..." Und wieder hat die deutsche Regierung
eine Familie mehr verloren, die eigentlich in die Rentenkasse einzahlen sollte...
Die Reisevorbereitungen sind abgeschlossen, die Flüge
gebucht und man hat sich vorher gewissenhaft informiert und sich im Internet
umgeschaut.
Dann schlägt

die
Stunde Null: Morgen ist Abflug Kanarienvogel versorgt, das Katzenklo
macht Helge Schneider sauber, Jennifer wird bei Oma deponiert
(sie ist noch zu klein für so 'ne Reise und würde nachher vielleicht
was aus-plaudern). Offiziell macht man seinen Jahresurlaub. Papa, Mama und
Tante Beate kann man immer noch einweihen, wenn's wirklich ernst wird.
Die

Schnupperreise
ins neue, vielversprechende Paradies! "Noch zwei Stunden", raunt
Detlef und lächelt Monika an. "Dann landen wir..."
Freiheit pur ist im neuen Domizil angesagt.
Jedes Land hat da seine eigenen liebens- und sehenswerten Seiten anzubieten.
Makler, Hausverkäufer, Tourplaner, sie alle sorgen dafür,
dass das Land ungetrübt in seinen schönsten Fraben erstrahlt.
Sich endlich wieder selbst entdecken!
Doch, ja es gibt sie schon, diese Paradiese. Man spürt sie hautnah,
bei jedem Schritt, jedem Aus-flug und bei jedem Kontakt
mit den Einhei-mischen. Liebenswerte Leute, alle haben viel
mehr Zeit für einen, und auch sonst bietet das Land
einem alles, was das Herz begehrt...
Deutsche
Restaurants, deutsche Brot- und Wurstwaren, deutschsprachige
Zeitungen, Video-theken, Hotels und Clubs vermitteln überall dort, wo sich
Deutschsprachige ansiedeln, eine ge-wisse Heimatverbundenheit, welche
die Entschei-dung leicht macht, hier in dieser so unkompliziert
wirkenden Welt ohne Leistungsdruck und Stress irgend
etwas Neues anzufangen.
Und wer
mit diesem Gefühl im Herzen dann nach zwei, drei Wochen
wieder über dem trübgrauen Himmel von Frankfurt
einfliegt, dem wird zu-nächst einmal kotzübel...
Den so
streng
reglementierten deutschen Alltag mit all seinen Gesetzen, Verordnungen,
Pflichten und persönlichen Existenzängsten empfinden die meisten,
die von ihrer ersten Schnupperreise zu-rückkehren, als
bedrückend, hemmend und de-primierend. Und spätestens nach zwei, drei
Mo-naten beginnt dann in der Regel das Fernweh zu nagen und selbst
die konservativsten Schweizer, Deutschen und Österreicher beginnen
dann, ihr neu entdecktes Traumland gezielt in ihrem kün-ftigen Leben einzuplanen.
Es ist nicht nur
die
Fremde, die reizt wieder dem Alltagstrott einverleibt, sind es meist
die Unzu-länglichkeiten des bisherigen Lebens, Existenz-
ängste, Leistungsdruck und endlich die neu ge-wonnene Erkenntnis, dass
wohl nur auf neuen Schlachtfeldern Ruhm und Erfolg zu ernten sind,
die den Drang in die Fremde immer mehr und im-mer zunehmender
beflügeln. Auswandern, das kann glatt zur Droge werden...
Zeit
ist Geld... ?
Drei Wochen
müssen oft rei-chen, um mit der Familie endlich jenes Land kennen-zulernen,
in welchem man völlig neu beginnen will, wo man in unbekannten Terri-torien
seine Familie ernähren muss, wo die Kinder einmal berufstätig werden
sollen und wo man selbst irgend- wann mal begraben wird.
Im
Einwanderungsland
selbst kennen Makler, Verkäufer u. Hilfswillige natürlich längst jene Zeitprobleme,
welche dann auch zuweilen mit präzi-ser Logistik genutzt werden. So schlägt
denn mit jedem unter Zeitdruck stehenden Neuankömmling die Stunde all jener,
die bereits dort leben, sich bestens ausken-nen und an gutgläubigen
und blauäugigen Frischlingen ver-dienen wollen. Und
gerade diese so knapp bemessene Zeit der Neuen, diese viel zu kurzen 14 Tage,
die niemals ausreichen, um ein neues Lebensumfeld auf Herz und Nieren prüfen
zu können, sind es, welche immer wieder aus Hoffnungen und guten Vorsätzen die
lange Leidenskette von traurigen Schicksalen, kaputten Träu-men und gestrandeten
Aus- wanderern prägen.

Vergessen
Sie bei Ihren Schnupper-
reisen niemals, dass Sie gerade in eu-
phorischer Erlebnis- und Urlaubsstim-
mung sind.
Der
Alltag
in einem neuen Land wird
später vollkommen anders sein. Auch da
bleiben die Probleme nicht vor der
neuen Haustüre stehen.
Unterschätzen Sie
diese 'Frohlock-
stimmung' nicht seien Sie kritisch!
Heimatfrust als Ursache für's Auswandern ist die neue
Erfahrung, die das Team um unseren Bun-deskanzler machen
musste. Doch nach der ers- ten zaghaften Schnupperreise
in die mögliche neue Heimat gibt's
für die Auswanderungswilli-
Eine kleine eigene Farm in Paraguay, oder ein Restaurant an der Küste der Kanaren,
der Bauern-hof in Südfrankreich oder Irland, griechische Son-ne, der neue Start
irgendwo in einem wunder-schönen Traumland, wo man sich mit den in
Deutschland längst veralteten Maschinen eine ne-ue Existenz aufbauen kann,
oder auch "nur" ein lebenswerteres Leben unter Palmen; die Abge-schiedenheit
eines verschlafenen Pyrenäendörf-chens oder der erste eigene Pool
im tropischen Garten locken... und locken... und locken...
Dies

alles
hat man ja bei den ersten Besuchen im neuen Land der Erfüllung hautnah selbst
erleben dürfen. Wie könnte man da, angesichts dieser märchenhaften
Eindrücke noch widerstehen?
Und wo

schon
könnte man auch nur annähernd Ähnliches in der alten Heimat finden...?
Diese herrlichen frühmorgendlichen Ausritte auf dem Pferd,
die unvergesslichen Abende am Lagerfeu- er, das Rauschen der Wellen
an der Küste, diese liebenswerten Einheimischen aus dem Dörfchen
im Tal, all die unvergesslich schönen Sonnen-untergänge, Flussfahrten,
das Fischen im Amazo-nas oder die unberührten Wälder Kanadas...
Und

so färbt
sich das graue Deutschland mit je-der Erinnerung ein
bisschen trüber. Noch einmal schiebt man die Kassette ins Videogerät,
genießt die Fahrt im Jeep über die holprigen roten Sand-pisten, das abenteuerliche
Steckenbleiben im Schlamm, das eiskalte Cervesa, die Klänge von
Harfen und Gitarren oder den Gesang einhei-mischer Folkloregruppen,
der sich mit dem Krei-schen von Papageienschwärmen zu
einem unver-gesslichen Erlebnis vermischte. Und schon hat der Fiskus in der
alten Heimat einen braven Steuer-zahler mehr verloren eine
Familie, die ihn endlich auch träumen will, diesen langgehegten,
wunderschönen Traum vom neuen Leben...